Veränderung: Warum die größte Gefahr Gleichgültigkeit ist

Veränderung im Unternehmen und Widerstand

Ich habe die Serie „Babylon Berlin“ sehr gern geschaut. Darin geht es um Umbrüche. Es geht um Eliten, die ihren Einfluss verlieren; um neue Ideen, um die Weltwirtschaftskrise, um Freiheit und vieles andere. Beim Gucken habe ich mich immer wieder gefragt: Was genau fasziniert mich an den Themen so? Eine Antwort – neben vielen anderen –möchte ich kurz skizzieren. Denn: Sie berührt gerade zwei Bereiche, in denen wir sehr viel arbeiten: Verwaltungen und Politik. Ich möchte die Frage aufwerfen, warum es sich in Umbrüchen lohnt, dem Alten und Neuen Raum zu geben und welche wichtige Rolle dabei die Kommunikation einnimmt.

 

Wenn neue Entwicklungen keinen Platz bekommen, gibt es Konflikte

 

In Babylon Berlin beharren historisch gewachsene Eliten (Militär, Adelige) auf ihrem Standpunkt. Der ist – auch außerhalb der Serie – oft durchaus zu würdigen und war zu einer anderen Zeit sinnvoll. Sie versuchen jedoch, sich ihre Position zu sichern, indem sie junge, neue Gedanken und Standpunkte bekämpfen. Und da wird es aus meiner Sicht problematisch (Wer auch geguckt hat: Die schwarze Reichswehr, eine Untergrundgruppe mit dem Ziel, die damals sehr junge Demokratie zu stürzen). Eine Konsequenz: Radikalisierung.

 

Es ist frustrierend, in trägen Apparaten zu arbeiten, in denen Eliten sich nicht bewegen

 

Das kennen wir aus unserer Arbeit, besonders in Behörden und in der Politik. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Es frustriert mich zu sehen, wie träge manche Apparate sind; wie sehr junge, motivierte Menschen darin gehemmt und gelähmt werden. Und zwar mitunter deshalb, weil Etablierte auf ihrem Standpunkt beharren, unflexibel sind und neuen Entwicklungen mit Ablehnung und teilweise harten Sanktionen begegnen. Gleichzeitig ist deren Erfahrungswissen so wertvoll für Veränderungsprozesse. Doch das geht leider unter, wenn eine Lähmung und/oder eine Radikalisierung einsetzt.

 

„Das machen wir schon immer so“

Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einem Politiker, der seit 30 Jahren etwas innerparteilich „schon immer so macht“. Das war sein Hauptargument, bei dem bei mir persönlich sofort Alarmglocken läuten. Und dieses Hauptargument hat auch bei seinen direkten Kollegen, vor allem bei neueren, ursprünglich sehr motivierten Politikerinnen in der Zusammenarbeit für viel Aggression und teilweise Kapitulation gesorgt. Das ist kein Einzelfall, wir erleben derzeit fast jede Woche vergleichbare Situationen, in denen Etablierte gegen Außenseiter und andersherum arbeiten: In Trainings, in Übergabeprozessen, bei der Führungskräfteentwicklung, in Ausschreibungsverfahren des Öffentlichen Dienstes.

 

Entpersonalisiertes Sprechen verhindert Vertrauen

Dabei fällt mir ein Muster auf: Nämlich, dass die alte, entpersonalisierte Sprechweise, besonders in Verwaltungen und Politik, nicht mehr zum Zeitgeist passt. Da muss man gar kein Mäuschen bei unseren Gesprächen sein. Da kann man auch einfach eine Talkshow oder eine Bundestagsdebatte ansehen, um zu verstehen, was ich meine.

 

Machtvolle Kommunikation sorgt für Ängste oder Widerstand

Allgemeine Phrasen, Floskeln, „man“ oder „wir“ statt „ich“, rationale Argumente ohne Emotionen, „Wir machen das schon immer so“…Es langweilt mich, es führt vor allem dazu, dass ich abschalte in einer Diskussion. Wenn ich Menschen zuhöre, dann möchte ich wissen, was sie warum bewegt. Dann bewegen sie mich, dann weiß ich, wo ich anknüpfen kann. Wenn mir jemand mit abstrakten Argumenten kommt, entsteht ein Machtverhältnis, das überholt ist. Und vor allem: Ich vertraue nicht. Ich bekomme eher Angst oder die Lust, gegenzusteuern.

 

Das Vertrauen in die Demokratie ist schon einmal verschwunden

Im TV-Magazin „Monitor“ gab es kürzlich einen Bericht zu den „Lehren aus Weimar“. Mit dem konnte ich persönlich sehr viel anfangen. „Babylon Berlin“ war darin der Aufhänger. Die Serie spielt 1929, in einer Zeit, in der das Vertrauen in die Demokratie zu großen Teilen verloren ging. Die Eliten lehnen den noch jungen Staat ab, Monarchisten, Kommunisten und Nationalisten versuchen mit unterschiedlichen Strategien, die Ordnung zu destabilisieren. Viele von ihnen beanspruchen jeweils das Recht auf Meinungshoheit. Sie verharren in alten Sprechweisen.

 

Achtung bei der Aussage „Wir machen das schon immer so!“

Der Historiker und Professor Samuel Salzborn weist mit dem Slogan „Berlin ist nicht Weimar“ darauf hin, dass sich Geschichte niemals 1:1 wiederhole. Na klar, geht ja gar nicht. Jedoch habe ich trotzdem Warnschilder im Kopf. Denn: Mit dem Slogan wird suggeriert, dass man sich über aktuelle, anti-demokratische Bewegungen keine allzu großen Gedanken machen müsse. Ich finde: Man muss! Und zwar ganz dringend. Und das fängt damit an, sich darüber Gedanken zu machen, wie ich mit anderen spreche. Spreche ich mit machtvollen Mitteln? Oder spreche ich auf Augenhöhe? Gebe ich dem Alten Raum? Sehe ich die Leistungen der Etablierten? Sehe ich die Wünsche der Neuen?

 

Wenn ich dem Unmut mit einem Maulkorb begegne, dann sucht er sich einen anderen Weg

In Übergangsphasen in Unternehmen und Behörden, besonders bei Generationenwechseln, bekommen Menschen, die ihren Unmut (der meistens aus alten Wunden herrührt) äußern, manchmal einen Maulkorb verpasst – frei nach dem Motto „Friss oder stirb“. Kann ich gut verstehen, denn es ist unbequem, sich mit Unangenehmem zu beschäftigen, wenn es vorwärts gehen soll. Doch das Blöde ist: Der Unmut sucht sich dann einen anderen Weg, im Flurfunk, im darüber heimlich Sprechen, im Taktieren oder gar im Nicht-Wählen.

 

Wenn es vorwärts gehen soll, lohnt es sich, sich Zeit zu nehmen für den Unmut von Minderheiten

Statt gegen neue, progressive Bewegungen zu kämpfen – so wie die „schwarze Reichswehr“ in Bablyon Berlin – lohnt es sich, meiner Meinung nach, sich die Zeit zu nehmen für den Unmut der Minderheiten. Und vor allem, sich bewusst zu werden, dass dieser Unmut, dieser Groll eine Ursache hat. Und das fängt schon damit an, dass viel „über“ Minderheiten statt mit ihnen gesprochen wird. Da werden Moralkeulen rausgeholt, da wird mit machtvollen Argumenten abgewatscht („Das machen wir schon immer so“ ist nur ein Beispiel von vielen). Das macht mich manchmal sprachlos, teils sogar wütend. Denn der Unmut, die Unzufriedenheit ist meistens nicht nur ein persönliches, sondern ganz oft auch ein strukturelles und politisches Problem.

 

Denn: Die größte Gefahr ist Gleichgültigkeit!

Klar wiederholt sich Geschichte nicht 1:1. Trotzdem glaube ich, dass es um einen bewussteren Umgang mit derzeitigen Entwicklungen geht. Und das fängt mit der Art des Sprechens an. Es geht darum, der Erfahrung (was ist eigentlich mit Ihrem erfahrenen Kollegen?) und dem Neuen gleichermaßen Raum zu geben. Und das geht nicht, indem ich über beides darüber bügle, sondern mir in meinem Alltag bewusst werde, was gerade an Umbrüchen konkret passiert. Wie spreche ich? Wie spricht jemand mit mir? Wie gehen wir miteinander um?

 

Denn, wie die ungarische Philosophin und Holocaust-Überlebende Agnes Heller konstatiert: Die größte Gefahr ist Gleichgültigkeit, ein Nicht-Bewusstsein, dass eine Gefahr überhaupt existiert. Denn so kann ich der Gefahr auch nicht begegnen und sie verhindern!

 

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