Wertschätzung ist keine Einbahnstraße

Wertschätzung und Anerkennung im Unternehmen

Hunger! Dieser Ausdruck in den Augen, wenn wir neu in einem Unternehmen sind. Ja, wir treffen auf regelrecht „ausgehungerte“ MitarbeiterInnen. Wenn wir fragen, woran es hapert, kommt dann „Wertschätzung! Anerkennung!“

Und damit ist nicht nur gemeint, dass Führungskraft XY viel öfter mal „loben“ sollte. Nein, das scheint auch untereinander zu fehlen. Von Kollege zu Kollegin, zwischen Abteilungen und Teams.

Ist es wirklich so? Herrscht in den Unternehmen immer noch ein so ruppiger, achtloser Umgang miteinander, dass „nicht gemeckert, ist schon gelobt“ bedeutet? Liegt es an der Führung? An den MitarbeiterInnen?

Ich höre diesen Wunsch auch sehr oft in meinen Einzelcoachings. Der Wunsch, ein positives Feedback zu bekommen. Mit der Leistung gesehen werden, aber auch mit dem Engagement, der Loyalität, mit der Persönlichkeit.

Mit der Persönlichkeit?

Oha. Ich glaube, wir haben ein Problem. Oder eher: Drei. Denn das, was ich sehr häufig beobachte sind drei Irrtümer über Wertschätzung. Diese blockieren regelrecht eine Entwicklung zum eigentlich gewünschten Ergebnis. Eine gemeinsame wertschätzende Haltung.

 

  1. Im Bermuda-Dreieck der Wertschätzung
  2. „Das hast du aber fein gemacht“ – warum Lob nicht wertschätzend ist
  3. Wertschätzung ist keine Einbahnstraße

 

Im Bermuda-Dreieck der Wertschätzung

Das „Bermuda-Dreieck“ der Wertschätzung ist ein persönliches Thema. Sehr persönlich: Es betrifft auch mich. Und vielleicht kennen Sie das ja selbst? Egal, wie oft Sie nun schon ein positives Feedback bekommen haben – irgendwie sind Sie immer noch nicht überzeugt? Sie zweifeln gerne, ob Sie wirklich gut sind, ob es tatsächlich reicht, was Sie einbringen können?

Lange Jahre ging es mir genauso. Wertschätzende Rückmeldungen gingen bei mir einfach unter. Ich bemerkte sie kaum, zweifelte sie gern an und wog sie mit vermeintlich negativem Feedback gegeneinander auf. Ein rätselhaftes Bermuda-Dreieck, ein schwarzes Loch sog alles auf – und der Hunger nach Anerkennung war ungestillt.

Die selektive Wahrnehmung sorgt dafür, dass Positives ausgeblendet wird – Negatives dagegen wird betont. Trifft das auf Sie zu? Das können Sie hieran erkennen:

  • Kauen Sie lange auf kritischen Rückmeldungen herum?
  • Vergessen Sie stattdessen, was Ihnen von anderen als hilfreich, unterstützend, klug etc. zurückgemeldet wird?
  • Können Sie in zwei Sätzen sagen, was Sie ausmacht, warum Sie von anderen geschätzt werden?

Das änderte sich erst, als ich verstand, dass Wertschätzung vor allem von innen kommt. Von mir selbst also. Ich muss mir gegenüber erst einmal ein freundliches Wohlwollen entwickeln. Dies ist quasi Voraussetzung, denn wenn ich mich selbst als „mangelhaft“ ansehe, dann wird auch das 1000. freundliche Wort von anderen nichts ändern. Erst, wenn ich es mir selbst glaube, kann ich es auch von anderen annehmen.

Das ist auch im Hinblick auf den zweiten Irrtum wichtig: Wenn ich regelmäßig ein bestätigendes Feedback von außen brauche, dann bedeutet das nicht nur, dass bei mir selbst gerade etwas aus dem Lot geraten ist, nein, es bedeutet auch, dass ich abhängig bin. Wieso das so ist, möchte ich im nächsten Irrtum erläutern:

 

„Fein gemacht!“ – Warum Lob nicht wertschätzend ist

Wie im ersten Irrtum dargestellt, braucht es also eine Art innere Unabhängigkeit, um Wertschätzung überhaupt aufnehmen zu können. Das ist auch dann wichtig, wenn Wertschätzung zum Lob verkommt:

  • Lob bezieht sich auf das Ergebnis („Das Projekt haben Sie super abgeschlossen!“). Und manchmal auch auf die Persönlichkeit („Sie sind sehr klug“). h. Lob gibt es nur bei Erfolg.
  • Wertschätzung bezieht sich auf den gesamten Einsatz („Respekt, um das Projekt haben Sie wirklich gekämpft und sich ganz neues Wissen erschlossen!“). h. Wertschätzung kann unabhängig vom Erfolg ausgedrückt werden – sehr wichtig, gerade im Umgang mit Fehlern und beim Lernen!

 

Lob ist eigentlich nichts anderes als eine Bewertung. Irgendjemand urteilt über das, was ich tue. Das wirft dann schnell die Frage auf „Was ist, wenn ich mal NICHT mehr die entsprechende Leistung, das gewünschte Verhalten zeige?“ Je nachdem, wie sehr ich Anerkennung von außen brauche, bin ich dann im Dilemma: Ich „dressiere“ mich selbst dazu, immer mehr vom gelobten Verhalten zu zeigen – auch, wenn das bedeutet, dass ich mich damit einschränke. Das wiederum macht meist unglücklich („ich kann bei der Arbeit nicht so sein, wie ich wirklich bin“) und damit noch abhängiger von Lob.
Schließlich gibt es bei Lob oft eine Macht-Asymmetrie. Haben Sie schon mal beobachtet, dass ein Mitarbeiter seine Führungskraft lobt? Wahrscheinlich nicht, denn Lob entsteht eigentlich immer von „oben nach unten“.

Wertschätzung dagegen verstehe ich als eine Art Beobachtung, ein Spiegel, der mir aus einer fremden Perspektive zeigt, was ich getan habe. Diese Rückmeldung hilft mir, genauer zu analysieren, was mich zum Ergebnis gebracht hat – oder was mich davon abgebracht hat.

Dabei ist der letzte Irrtum nicht zu vergessen:

Wertschätzung ist keine Einbahnstraße

Oder eher doch: Denn allzu oft reden wir in den Unternehmen immer davon, dass „die anderen“ mal wertschätzender sein sollen. Die müssen jetzt endlich mal damit anfangen!

Nur: Was ist mit der Person, die das fordert?

Ja, oft genug wird der eigene Mangel an Anerkennung bitter beklagt, dafür kaum gesehen, wie wenig Wertschätzung selbst gegeben wird.

Das ist mein Fazit aus diesem Impuls-Artikel: Wann immer Sie im Unternehmen unter geringer Wertschätzung leiden, fragen Sie sich:

  • Was hat das mit mir persönlich zu tun? Gibt es ein „schwarzes Loch“? Und wo bin ich selbst eigentlich wertschätzend gegenüber anderen?

 

 

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